Marianne Beierle

 

 

 

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 © 2006-2007
Marianne Beierle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besinnliches

 

Abend

 Bleibende Begegnung

von Marianne Beierle aus Burgmagerbein

Tage und Jahre vergingen. Mir blieb er jedoch in allerbester Erinnerung. Nun wurde was damals geschah wieder lebendig. Als ich erfuhr er ist hier traf es mich tief und ich war glücklich und wollte doch weinen. Mir kamen die Erinnerungen aus meiner Kindheit in den Sinn. Ich spürte wie er mich in den Arm genommen hat und wie fest er mich hielt. - Jetzt liegt er dort allein, fast nahe bei mir. Oft musste ich an ihn denken. Zu dieser Zeit besuchte ich noch die Schule. Montags hatte ich nachmittags Unterricht - lange quälte mich schon nur der eine Gedanke. Sollte ich ja musste ich ihn denn nicht endlich besuchen. Meine Gedanken waren durcheinander, nur diese eine Sorge wollte mir nicht aus dem Sinn. Der Unterricht lief an mir vorüber, ich saß nur da und rang mit meinen Gedanken. Endlich, nach langem Überlegen, war ich zu dem Entschluss gekommen ihn zu besuchen. Ich spürte tiefe Erwartung und unsagbare Angst in mir. Ob mein Vorhaben richtig war wusste ich nicht doch ich musste es tun. Viele Fragen beschäftigten mich, wird er mich noch kennen? Wie wird der daliegen? Was wird er mir erzählen und vor allem was werde ich ihm sagen?

Die Schulglocke läutete, endlich. Soll ich gehen? Der Unterricht war aus.

Ich zog meine Jacke an und frisierte noch rasch mein Haar. Am Ende des Schulhofes hielt ich noch einige Sekunden inne und fand die Kraft zu dem Entschluss ihn doch zu sehen. In meinem Innersten flehte ich zum Herrn. Ich lief an den Häusern vorbei. Sie waren mir so vertraut und doch kamen sie mir heute so fremd und leer vor. Mir kamen so viele Erinnerungen in den Sinn. Als kleines Kind hatte er mich so gern. Wie oft nahm er mich in seine Arme und wie oft habe ich gelacht mit ihm und wie oft blickte ich erwartungsvoll auf zu ihm.
Viele wunderschöne Stunden hatte er mir in meiner Kindheit geschenkt. Der Weg erschien mir als ein einziger Rückblick, wie ein riesiges Fotoalbum in dem ich blättern konnte. Dieser Weg, ich besorgte noch Blumen, war so kurz und doch unendlich weit. Jetzt war es soweit ich stand vor der Eingangshalle und wusste nicht ob ich hineingehen sollte. Meine Beine gingen jedoch weiter und ich stand vor dem Empfang. Zaghaft und ängstlich sprach ich seinen Namen aus und fragte nach seinem Zimmer. Als ich den Weg nun wusste und durch die weißen Flure und die Treppen hinaufstieg wurde meine Angst zu brennendem Schmerz. Durch diese Glastüre und den Gang noch entlang.
Das Schwesternpersonal war freundlich. Noch einige Schritte, Schritt für Schritt mehr Angst und größere Hoffnung. Hier, sein Zimmer. Da stand ich, allein und verlassen mit meinem Vorhaben. Mir war so bange. Ich wollte umkehren. Tief atmete ich durch und nahm alle Kraft zusammen. Meine Hand zitterte, sie war eiskalt und zaghaft klopfte ich an die große weiße Türe. Kurz darauf vernahm ich ein feines "Herein".

In diesem Moment von seliger Zufriedenheit umgeben und vor Angst fast erschlagen spürte ich wie meine Hand die Türklinke niederdrückte und ich betrat sein Zimmer. In diesem Moment schien die Welt verloren, Augenblicke in denen zwei Menschen in Innigkeit 'und Staunen versunken sich begegnen. Im nächsten Moment begann ich ihn herzlich zu begrüßen. Und er nahm mich in seine Arme und er schenkte mir das Gefühl an das ich mich so sehr erinnerte. Angst hatte ich er könnte mein Herz klopfen hören.
In meinem Innersten war ich zutiefst erschüttert und getroffen doch auch unermeßlich glücklich. Ich durfte an seinem Bett sitzen und ihm zuhören. Zuhören und offen sein für die Gedanken über sein Leben die er mir schenken wollte. Die Blumen legte ich ins Wasser und dann setzte ich mich wieder an sein Bett. Den Rosenkranz hielt er noch immer in seiner Hand. Er erzählte mir so vieles und ich versuchte im alle Hoffnung dieser Welt zu geben und er nahm meine Hoffnung an.
Vielleicht spürte er, daß hinter diesen Worten viel mehr stand als ich  sagen konnte. Er verstand das ich ihm für sein weiteres Leben, für alles was ihm noch bevor stand, Kraft aus unserem Glauben schenken wollte. Ich merkte das dies für ihn Erfüllung war. Später versicherter er mir ich sei sehr klug geworden und ich solle mir meinen Glauben bewahren. Er bat mich mit ihm noch einige Schritte auf dem Stationsgang auf und ab zu gehen. Gerne tat ich ihm diesen Gefallen.
Jetzt erst bemerkte ich wie alt und gebrechlich er doch geworden war. Seine Worte jedoch und seine liebenswerte menschliche Art und seine gütigen Hände waren noch genau so wie ich sie in meiner Erinnerung hatte. Ich war selig ihn begleiten zu dürfen. Als er später wieder in seinem Bett lag war er müde jedoch seine Augen waren glücklich. Er wußte das ich nicht nur einfach so gekommen war, er wusste es ist mehr, doch  keiner wagte darüber zu sprechen.
Noch einige Male besuchte ich ihn. Drei Monate etwa nach meinem ersten Besuch starb er. Auf ganz wunderbare Weise hat sein Leben mich geprägt.