Zur österlichen Festzeit
Alte Bräuche und heutige Riten in der
Kirche
Wenn langsam die
Natur vom Winterschlaf erwacht und die immer kräftiger werdenden
Sonnenstrahlen den letzen Schnee dahin schmelzen lassen dann ist der Frühling
nicht mehr all zu weit. Erste Knospen sind die Vorboten davon. Im Kirchenjahr
ist die Fastenzeit und die österliche Festzeit eng mit dem Frühling verbunden.
Seit frühester Zeit ist das Datum des
Ostersonntages abhängig vom Frühlingsanfang und vom Vollmond. Ostern wird jedes
Jahr am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert.
Das schon Jahrtausende alte jüdische Osterfest Passah oder Paschafest wird am
14. Nisan gefeiert, gleichgültig auf welchen Wochentag es fällt. Die ersten
Christen hatten den Brauch fortgesetzt das jüdische Fest zu feiern, wobei
Christus nun das Osterlamme darstellt.
Im alten Testament ist das Paschafest
das Fest des Gedenkens an das erbarmungslose Vorübergehen des Würgengels in
Ägypten der jede männliche Erstgeburt erschlug jedoch vorüberging an den
Häusern der Israeliten deren Türpfosten mit Blut bestrichen waren.
Der Name
Ostern kommt wahrscheinlich von der angelsächsischen Gottheit Ostera, einer
Frühlingsgöttin oder vom althochdeutschen Wort "ostera" das die Zeit
bezeichnet in der die Sonne wieder im Osten aufgeht.
Nachdem Karneval und der Fasnacht
beginnt mit dem Aschermittwoch im Kirchenjahr die 40-tägige Fastenzeit in der
sich die Christen durch Fasten, Gebet und Buße auf die österliche Festzeit
vorbereiten. Am Aschermittwoch wird während des Gottesdienstes Asche geweiht
und jedem Gottesdienstbesucher als Zeichen der Vergänglichkeit und als
Erinnerung an den eigenen Tod auf die Stirn gestreut. Während der Fastenzeit
wird regelmäßig der Kreuzweg gebetet und das Leiden des Herrn betrachtet. Das
Haus wird mit Ostersträußen und mit Osterhasennester geschmückt. Mit dem
Palmsonntag auch "Palmdag" genannt beginnt die Karwoche. Christus zog
mit einem Esel in Jerusalem ein und das Volk huldigte ihm mit Palmzweigen in
den Händen. Palmen waren in früherer Zeit das Zeichen des Sieges über den Tod
und Ölzweige das Zeichen des Friedens. Noch heute wird am Palmsonntag ein
gebundener "Palmbüschel" der aus Palmkätzchen, Buchsbaum, lmmergrün
und Wacholder besteht zur Kirche getragen. Er wird vor dem Gottesdienst
gesegnet und die Gemeinde zieht mit Palmen in den Händen ins Gotteshaus ein.
Die geweihten Palmzweige werden zu Hause entweder in den Herrgottswinkel
gesteckt, im Stall verteilt oder auf die Felder gebracht als Segenssymbol für
die neue Saat. Am Palmsonntag wird während der Messe die Passion vorgetragen
und die Christen werden in das Leiden und Sterben Jesu Christi und in die
Karwoche geführt.
Weil
Christus von einem Menschen, von Judas verraten worden ist hieß diese Woche
auch Klage- Reue- oder Trauerwoche. Trauer ist die alte Bezeichnung
aus dem althochdeutschen für Chara öder
Kara. So ist der Name Karwoche entstanden. Lange Zeit hindurch fanden in dieser
Woche keine Gerichtsverhandlungen statt. Es wurden keine Schulden eingetrieben
und viele Gefangene und Straffällige wurden begnadigt.
Die eigentliche tiefe und innige
Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi beginnt wohl erst am
Gründonnerstag. Der Name Gründonnerstag geht bis ins 4. Jahrhundert zurück und
leitet sich ab von den Greinenden, den Weinenden. Schließlich wurde aus dem
Greindonnerstag der Gründonnerstag. Die Kirche feiert am Abend, so wie Christus
mit seinen Jüngern, das Abendmahl als Sinnbild des neuen Bundes. Mancherorts
findet heute noch die feierliche Zeremonie der Fußwaschung statt.
Zwölf alte Männer stellen die zwölf Jünger dar. Der Priester wäscht ihnen vor
der ganzen Gemeinde die Füße. Im Judentum gilt dem anderen die Füße waschen als
eine der niedrigsten Arbeiten überhaupt. Christus nahm dieses Ritual auf um
allen Menschen zu verdeutlichen: Ich bin gekommen um euer Diener zu sein. Am
Gründonnerstag verstummen die Glocken. Es heißt sie fliegen nach Rom und kehren
erst wieder in der Osternacht zurück. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden,
das damals als Christus litt und starb aller Wohlklang der Welt erlosch.
So wie
Jesus in der Nacht vor seinem Leiden im Garten Gethsemane in Todesangst gefleht
hat so finden sich die katholischen Christen zum nächtlichen Gebet und zur
stillen Anbetung bis tief in die Nacht.
Um den Gründonnerstag gibt es vielerlei
Bräuche. Es heißt beispielsweise am Gründonnerstag soll etwas Grünes gegessen
werden wie Spinat oder Feldsalat. Auch dem Gründonnerstagsei wurde eine
besondere Kraft zugesagt. Ein solches Ei im Feld vergraben schützt die Saaten
auf dem Feld. Im Haus bewahrt es vor Blitzschlag und Brand.
Der darauffolgende
Tag, der Karfreitag gilt in beiden Konfessionen als Trauertag, als sogenannter
stiller Tag. Er ist gewidmet der stillen Betrachtung des Leidens und Sterbens
Jesu Christi. Die Verehrung des Kreuzes wurde schon im ersten Jahrtausend
zelebriert. Noch heute gibt es auf dem Land bestimmte Verbote. Weil die belebte
und unbelebte Natur an der allgemeinen Trauer des Herrn teilnahm, unterblieben
alle geräuschvollen Arbeiten wie Hämmern und Sägen. Graben und Pflügen wurde
unterlassen um den Herrn in seiner Grabesruhe nicht zu stören. Auch die Glocken
schweigen und das Knarren der Rätschen ertönt. Das Rätschen mit alten
Holzklappern ist ein alter kath. Brauch der die Gläubigen zum Gebet rufen will.
Bevor etwa im 7. Jahrhundert die Glocken in den Kirchtürmen heimisch wurden,
erinnerten Holzrätschen die Gläubigen zu Andacht und Gottesdienst. Der
Karfreitag gilt außerdem genauso wie der Aschermittwoch als strenger Fasttag.
Am Vormittag kommen die Gläubigen zusammen zum Gebet des Kreuzweges.
Nachmittags wird während der Karfreitagsliturgie das Leiden und Sterben des
Herrn betrachtet, die Fürbitten für alle Menschen verrichtet und das Kreuz
verehrt.
Am Karfeitag ist
es Brauch Eier für das Osterfest zu färben und den Osterschinken im Brotteig zu
backen. Auch zum Karfreitag gibt es viele Bauernregeln die da lauten:
Der Himmel darf um
Jesus nicht weinen (also nicht regnen) sonst könne eine große Dürre die Felder
verbrennen, oder wer am Karfeitag viel trinkt der hat das ganze Jahr über viel
Durst, und weiter ist zu berichten: Es ist günstig am Karfreitag zu säen, denn
alles was am Karfreitag in die Erde kommt wird gedeihen. (Erinnerung an die
Auferstehung).
Der Karsamstag
wird still und im Gebet am heiligen Grab verbracht. Denn Christus ist erst in
den Morgenstunden des Ostertages aus dem Grab erstanden. Am Karsamstag wird das
Ostermahl vorbereitet. In ein Körble wird Brot, Schinken, Eier und Salz
gerichtet und mit einem bestickten Tuch abgedeckt. Oben drauf wird ein
Osterlamm aus Biskuit gelegt und mit einem "Auferstehungsfähnle"
versehen. Diese Speisen werden zur Weihe die während der Osternachtsmesse
stattfindet, getragen. Seit dem Heiligen Jahr 1950 wird die Auferstehungsmesse
in den frühen Morgenstunden des Ostersonntages gefeiert. Im Gotteshaus sind die
Lichter erloschen - Sinnbild des Alten Bundes, der beim Erscheinen Christi
endet. Vor dem Gotteshaus draußen im Freien wird Feuer aus einem Stein
geschlagen als Versinnbildlichung der Auferstehung Christi der wie der Funke
aus dem verschlossenen Steingrab hervorging. Mit diesem Funken wird das Feuer
entfacht das gesegnet wird und an dem die Osterkerze entzündet wird.
Die Kerze, das
Licht, ist Symbol des Auferstandenen und wird in feierlicher Prozession in die
Kirch getragen. An ihrem Licht werden alle anderen Kerzen, das Ewige Licht und
die Kerzen die die Gläubigen in Händen halten entzündet.
Die Gemeinde zieht so in das dunkle
Gotteshaus ein. Im Exultet der Osternacht, dem Jubelgesang der Osternacht heißt
es: Dies ist die selige Nacht in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und
aus der Tiefe als Sieger emporstieg. Die Orgel erklingt zum ersten Mal wieder
denn die Glocken sind aus Rom zurückgekehrt und künden das Ende der Fastenzeit.
In der Osternacht erklingen die Hallelujarufe die die Freude des ganzen Volkes
über die Auferstehung des Herrn zum Ausdruck bringen. In der Osternacht wird
das Taufwasser, im Ries schlicht "Dof' genannt, geweiht und nach der Messe
in einem Gefäß mit nach Hause genommen. Einst dauerte die Osternachtsmesse
besonders lang denn nach der Taufgelübdeerneuerung wurden noch Taufen
vorgenommen. Während der Messe nimmt der Priester auch die Speiseweihung vor.
Am Morgen des Ostersonntages wird dieses Ostermahl gemeinsam in den Familien am
festlich gedeckten Tisch gegessen. Es soll daran erinnern dass auch Christus
mit seinen Jüngern nach seiner Auferstehung zusammen gegessen hat. Nach der
Messe in der Osternacht wird vom geweihten Osterfeuer eine Kohle" a gweits
Scheid" mit nach Hause genommen und unter dem Dachbalken des Hauses
angebracht. Es soll vor Blitz und Feuer schützen.
Das Osterfest am darauffolgenden Tag
wird sehr festlich begangen.
Dadurch das es schon sehr früh gefeiert
wurde sind uns viele Bräuche bekannt. Das wohl bekannteste Symbol ist das
Osterei. Im christlichen Sinne ist es ein Zeichen der Auferstehung. Die Schale
bedeutet das Grab Christi, aus der ein lebendiges Wesen hervor geht. Nach altem
Volksbrauch ist das Ei ein Zeichen der Fruchtbarkeit. In früherer Zeit war das
Ei ein Frühlingsopfer denn die Tiere die mühsam über den Winter gebracht wurden
waren zu kostbar. Sie dienten der Aufzucht. Auch das strenge Verbot der Kirche
während der Fastenzeit Eier und Eierspeisen zu verzehren fiel mit der besonders
guten Legezeit der Hühner zusammen. Daher beschenkte man sich am Ostertag
großzügig mit Eiern. Die Schalen der geweihten Eier werden in den Garten
gestreut als Zeichen der Fruchtbarkeit für das kommende Jahr. Das Vieh erhält
einen Teil des in der Osternacht geweihten Salzes um vor Schaden bewahrt zu
bleiben. Der Osterhase darf natürlich nicht vergessen werden. Woher er
eigentlich stammt ist nicht genau bekannt. Als Eierbringer ist er bei den
Kindern sehr beliebt. Er ist ebenfalls ein Frühlingssymbol.
Die Kinder vergnügen sich am Ostertag
mit allerlei Osterspielen wie Eierkullern, Eierwettlaufen oder Eierticken. In
vielen Gegenden ist es Brauch ein besonderes Ostergebäck meist aus Hefeteig
herzustellen. Beliebte Motive sind neben dem Osterhasen auch Osterkränze und
Osterfladen. Das Osterlamm aus Biskuitteig steht wohl an erster Stelle.
Ein eher fränkischer Brauch nämlich das
schmücken der Osterbrunnen hat mittlerweile auch in unserer Gegend Einzug
gehalten und erfreut sich großer Beliebtheit. Im Ries gibt es noch einen
besonderen -Osterbrauch. Im Gegensatz zu anderen Gegenden in denen der
Osterhase seine Eier versteckt legt der Osterhase im Ries seine gefärbten Eier
"ens Hasagärtle". Die Rieser Kinder basteln dem Osterhasen im Garten
ein eigenes Gärtlein aus weichem Moos mit rundherum einem Zaun aus
"Haselnußsteckala". Das runde Hasagärtle hat eine Türe und einen
eigenen Weg ins Gärtle.>Lagen die Hasagärtle mehrerer Geschwister
beisammen so wurde an jedes ein Zettel mit dem Namen des Besitzers geheftet. Im
Ries heißt es heut noch "Hasagärtle macha isch a Seligkeit".
Zum Ostertag gibt
es auch allerlei Wetterregeln z.B. Wie's Wetter am ersten Ostertag, so bleibts'
sieben Wochen lang. Oder woher der Wind zu Ostern weht, daher weht er bis
Himmelfahrt. Acht Tage nach Ostern ist der Weiße
Sonntag, der Tag der Konfirmation und
der Erstkommunion. Die Häuser der
Jugendlichen oder Kinder wurden früher mit jungem Grün oder Buchsbaum
geschmückt. Die weißen Kleider, Schleier und Kerzen und Blumen der
Kommunionkinder versinnbildlichen die Unschuld und Reinheit Christ9i und derer
die die Kommunion empfangen.
Die feierliche Osterzeit schließt mit
dem Himmelfahrtstag.
Zum Schluß noch eine Feststellung ausm
Ries" Zwischa Oaschtra ond Pfengsta, des isch die schöaschta Zeit, do
paaret se de Vögela ond di jonge Leit!"
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