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 © 2006-2007
Marianne Beierle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ostern

      

Österliche Bäuche und Sprüche aus dem Ries

von Marianne Beierle

Zur österlichen Festzeit

Alte Bräuche und heutige Riten in der Kirche

Wenn langsam die Natur vom Winterschlaf erwacht und die immer kräftiger wer­denden Sonnenstrahlen den letzen Schnee dahin schmelzen lassen dann ist der Frühling nicht mehr all zu weit. Erste Knospen sind die Vorboten davon. Im Kirchenjahr ist die Fastenzeit und die österliche Festzeit eng mit dem Frühling ver­bunden.

Seit frühester Zeit ist das Datum des Ostersonntages abhängig vom Frühlingsanfang und vom Vollmond. Ostern wird jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Das schon Jahrtausende alte jüdische Osterfest Passah oder Paschafest wird am 14. Nisan gefeiert, gleichgültig auf welchen Wochentag es fällt. Die ersten Christen hatten den Brauch fortgesetzt das jüdische Fest zu feiern, wobei Christus nun das Osterlamme darstellt.

Im alten Testament ist das Paschafest das Fest des Gedenkens an das erbarmungslose Vorübergehen des Würgengels in Ägypten der jede männliche Erstgeburt erschlug jedoch vorüberging an den Häusern der Israeliten deren Tür­pfosten mit Blut bestrichen waren.

Der Name Ostern kommt wahrscheinlich von der angelsächsischen Gottheit Ostera, einer Frühlingsgöttin oder vom althochdeutschen Wort "ostera" das die Zeit bezeich­net in der die Sonne wieder im Osten aufgeht.

Nachdem Karneval und der Fasnacht beginnt mit dem Aschermittwoch im Kirchenjahr die 40-tägige Fastenzeit in der sich die Christen durch Fasten, Gebet und Buße auf die österliche Festzeit vorbereiten. Am Aschermittwoch wird während des Gottesdienstes Asche geweiht und jedem Gottesdienstbesucher als Zeichen der Ver­gänglichkeit und als Erinnerung an den eigenen Tod auf die Stirn gestreut. Während der Fastenzeit wird regelmäßig der Kreuzweg gebetet und das Leiden des Herrn be­trachtet. Das Haus wird mit Ostersträußen und mit Osterhasennester geschmückt. Mit dem Palmsonntag auch "Palmdag" genannt beginnt die Karwoche. Christus zog mit einem Esel in Jerusalem ein und das Volk huldigte ihm mit Palmzweigen in den Händen. Palmen waren in früherer Zeit das Zeichen des Sieges über den Tod und Ölzweige das Zeichen des Friedens. Noch heute wird am Palmsonntag ein gebundener "Palmbüschel" der aus Palmkätzchen, Buchsbaum, lmmergrün und Wacholder besteht zur Kirche getragen. Er wird vor dem Gottesdienst gesegnet und die Gemeinde zieht mit Palmen in den Händen ins Gotteshaus ein. Die geweihten Palmzweige werden zu Hause entweder in den Herrgottswinkel gesteckt, im Stall verteilt oder auf die Felder gebracht als Segenssymbol für die neue Saat. Am Palmsonntag wird während der Messe die Passion vorgetragen und die Christen werden in das Leiden und Sterben Jesu Christi und in die Karwoche geführt.

Weil Christus von einem Menschen, von Judas verraten worden ist hieß diese Woche auch Klage- Reue- oder Trauerwoche. Trauer ist die alte Bezeichnung

aus dem althochdeutschen für Chara öder Kara. So ist der Name Karwoche entstanden. Lange Zeit hindurch fanden in dieser Woche keine Gerichtsverhandlungen statt. Es wurden keine Schulden eingetrieben und viele Gefangene und Straffällige wurden begnadigt.

Die eigentliche tiefe und innige Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi beginnt wohl erst am Gründonnerstag. Der Name Gründonnerstag geht bis ins 4. Jahrhundert zurück und leitet sich ab von den Greinenden, den Weinenden. Schließlich wurde aus dem Greindonnerstag der Gründonnerstag. Die Kirche feiert am Abend, so wie Christus mit seinen Jüngern, das Abendmahl als Sinnbild des neuen Bundes. Mancherorts findet heute noch die feierliche Zeremonie der Fußwaschung statt. Zwölf alte Männer stellen die zwölf Jünger dar. Der Priester wäscht ihnen vor der ganzen Gemeinde die Füße. Im Judentum gilt dem anderen die Füße waschen als eine der niedrigsten Arbeiten überhaupt. Christus nahm dieses Ritual auf um allen Menschen zu verdeutlichen: Ich bin gekommen um euer Diener zu sein. Am Gründonnerstag verstummen die Glocken. Es heißt sie fliegen nach Rom und kehren erst wieder in der Osternacht zurück. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, das damals als Christus litt und starb aller Wohlklang der Welt erlosch.

So wie Jesus in der Nacht vor seinem Leiden im Garten Gethsemane in Todesangst gefleht hat so finden sich die katholischen Christen zum nächtlichen Gebet und zur stillen Anbetung bis tief in die Nacht.

Um den Gründonnerstag gibt es vielerlei Bräuche. Es heißt beispielsweise am Gründonnerstag soll etwas Grünes gegessen werden wie Spinat oder Feldsalat. Auch dem Gründonnerstagsei wurde eine besondere Kraft zugesagt. Ein solches Ei im Feld vergraben schützt die Saaten auf dem Feld. Im Haus bewahrt es vor Blitzschlag und Brand.

Der darauffolgende Tag, der Karfreitag gilt in beiden Konfessionen als Trauertag, als sogenannter stiller Tag. Er ist gewidmet der stillen Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Die Verehrung des Kreuzes wurde schon im ersten Jahrtausend zelebriert. Noch heute gibt es auf dem Land bestimmte Verbote. Weil die belebte und unbelebte Natur an der allgemeinen Trauer des Herrn teilnahm, unterblieben alle geräuschvollen Arbeiten wie Hämmern und Sägen. Graben und Pflügen wurde unterlassen um den Herrn in seiner Grabesruhe nicht zu stören. Auch die Glocken schweigen und das Knarren der Rätschen ertönt. Das Rätschen mit alten Holzklappern ist ein alter kath. Brauch der die Gläubigen zum Gebet rufen will. Bevor etwa im 7. Jahrhundert die Glocken in den Kirchtürmen heimisch wurden, erinnerten Holzrätschen die Gläubigen zu Andacht und Gottesdienst. Der Karfreitag gilt außerdem genauso wie der Aschermittwoch als strenger Fasttag. Am Vormittag kommen die Gläubigen zusammen zum Gebet des Kreuzweges. Nachmittags wird während der Karfreitagsliturgie das Leiden und Sterben des Herrn betrachtet, die Fürbitten für alle Menschen verrichtet und das Kreuz verehrt.

Am Karfeitag ist es Brauch Eier für das Osterfest zu färben und den Osterschinken im Brotteig zu backen. Auch zum Karfreitag gibt es viele Bauernregeln die da lauten:

Der Himmel darf um Jesus nicht weinen (also nicht regnen) sonst könne eine große Dürre die Felder verbrennen, oder wer am Karfeitag viel trinkt der hat das ganze Jahr über viel Durst, und weiter ist zu berichten: Es ist günstig am Karfreitag zu säen, denn alles was am Karfreitag in die Erde kommt wird gedeihen. (Erinnerung an die Auferstehung).

Der Karsamstag wird still und im Gebet am heiligen Grab verbracht. Denn Christus ist erst in den Morgenstunden des Ostertages aus dem Grab erstanden. Am Karsamstag wird das Ostermahl vorbereitet. In ein Körble wird Brot, Schinken, Eier und Salz gerichtet und mit einem bestickten Tuch abgedeckt. Oben drauf wird ein Osterlamm aus Biskuit gelegt und mit einem "Auferstehungsfähnle" versehen. Diese Speisen werden zur Weihe die während der Osternachtsmesse stattfindet, getragen. Seit dem Heiligen Jahr 1950 wird die Auferstehungsmesse in den frühen Morgenstunden des Ostersonntages gefeiert. Im Gotteshaus sind die Lichter erloschen - Sinnbild des Alten Bundes, der beim Erscheinen Christi endet. Vor dem Gotteshaus draußen im Freien wird Feuer aus einem Stein geschlagen als Versinnbildlichung der Auferstehung Christi der wie der Funke aus dem verschlossenen Steingrab hervorging. Mit diesem Funken wird das Feuer entfacht das gesegnet wird und an dem die Osterkerze entzündet wird.

Die Kerze, das Licht, ist Symbol des Auferstandenen und wird in feierlicher Prozession in die Kirch getragen. An ihrem Licht werden alle anderen Kerzen, das Ewige Licht und die Kerzen die die Gläubigen in Händen halten entzündet.

Die Gemeinde zieht so in das dunkle Gotteshaus ein. Im Exultet der Osternacht, dem Jubelgesang der Osternacht heißt es: Dies ist die selige Nacht in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg. Die Orgel erklingt zum ersten Mal wieder denn die Glocken sind aus Rom zurückgekehrt und künden das Ende der Fastenzeit. In der Osternacht erklingen die Hallelujarufe die die Freude des ganzen Volkes über die Auferstehung des Herrn zum Ausdruck bringen. In der Osternacht wird das Taufwasser, im Ries schlicht "Dof' genannt, geweiht und nach der Messe in einem Gefäß mit nach Hause genommen. Einst dauerte die Osternachtsmesse besonders lang denn nach der Taufgelübdeerneuerung wurden noch Taufen vorgenommen. Während der Messe nimmt der Priester auch die Speiseweihung vor. Am Morgen des Ostersonntages wird dieses Ostermahl gemeinsam in den Familien am festlich gedeckten Tisch gegessen. Es soll daran erinnern dass auch Christus mit seinen Jüngern nach seiner Auferstehung zusammen gegessen hat. Nach der Messe in der Osternacht wird vom geweihten Osterfeuer eine Kohle" a gweits Scheid" mit nach Hause genommen und unter dem Dachbalken des Hauses angebracht. Es soll vor Blitz und Feuer schützen.

Das Osterfest am darauffolgenden Tag wird sehr festlich begangen.

Dadurch das es schon sehr früh gefeiert wurde sind uns viele Bräuche bekannt. Das wohl bekannteste Symbol ist das Osterei. Im christlichen Sinne ist es ein Zeichen der Auferstehung. Die Schale bedeutet das Grab Christi, aus der ein lebendiges Wesen hervor geht. Nach altem Volksbrauch ist das Ei ein Zeichen der Fruchtbarkeit. In früherer Zeit war das Ei ein Frühlingsopfer denn die Tiere die mühsam über den Winter gebracht wurden waren zu kostbar. Sie dienten der Aufzucht. Auch das strenge Verbot der Kirche während der Fastenzeit Eier und Eierspeisen zu verzehren fiel mit der besonders guten Legezeit der Hühner zusammen. Daher beschenkte man sich am Ostertag großzügig mit Eiern. Die Schalen der geweihten Eier werden in den Garten gestreut als Zeichen der Fruchtbarkeit für das kommende Jahr. Das Vieh erhält einen Teil des in der Osternacht geweihten Salzes um vor Schaden bewahrt zu bleiben. Der Osterhase darf natürlich nicht vergessen werden. Woher er eigentlich stammt ist nicht genau bekannt. Als Eierbringer ist er bei den Kindern sehr beliebt. Er ist ebenfalls ein Frühlingssymbol.

Die Kinder vergnügen sich am Ostertag mit allerlei Osterspielen wie Eierkullern, Eierwettlaufen oder Eierticken. In vielen Gegenden ist es Brauch ein besonderes Ostergebäck meist aus Hefeteig herzustellen. Beliebte Motive sind neben dem Osterhasen auch Osterkränze und Osterfladen. Das Osterlamm aus Biskuitteig steht wohl an erster Stelle.

Ein eher fränkischer Brauch nämlich das schmücken der Osterbrunnen hat mittler­weile auch in unserer Gegend Einzug gehalten und erfreut sich großer Beliebtheit. Im Ries gibt es noch einen besonderen -Osterbrauch. Im Gegensatz zu anderen Gegenden in denen der Osterhase seine Eier versteckt legt der Osterhase im Ries seine gefärbten Eier "ens Hasagärtle". Die Rieser Kinder basteln dem Osterhasen im Garten ein eigenes Gärtlein aus weichem Moos mit rundherum einem Zaun aus "Haselnußsteckala". Das runde Hasagärtle hat eine Türe und einen eigenen Weg ins Gärtle.>Lagen die Hasagärtle mehrerer Geschwister beisammen so wurde an jedes ein Zettel mit dem Namen des Besitzers geheftet. Im Ries heißt es heut noch "Hasagärtle macha isch a Seligkeit".


Zum Ostertag gibt es auch allerlei Wetterregeln z.B. Wie's Wetter am ersten Ostertag, so bleibts' sieben Wochen lang. Oder woher der Wind zu Ostern weht, daher weht er bis Himmelfahrt.

Acht Tage nach Ostern ist der Weiße Sonntag, der Tag der Konfirmation und

der Erstkommunion. Die Häuser der Jugendlichen oder Kinder wurden früher mit jungem Grün oder Buchsbaum geschmückt. Die weißen Kleider, Schleier und Kerzen und Blumen der Kommunionkinder versinnbildlichen die Unschuld und Reinheit Christ9i und derer die die Kommunion empfangen.

Die feierliche Osterzeit schließt mit dem Himmelfahrtstag.

Zum Schluß noch eine Feststellung ausm Ries" Zwischa Oaschtra ond Pfengsta, des isch die schöaschta Zeit, do paaret se de Vögela ond di jonge Leit!"